Interview
Fritz Unützer wurde 1947 in München geboren. Schon früh zeichnete sich ab, dass er einmal in der Modebranche arbeiten würde. Er besuchte die renommierte Business School im französischen Fontainebleau und hospitierte bei Burberry und Church in London.
Worauf gründet Ihr Interesse an Mode?
Unützer: Das wurde mir quasi schon in die Wiege gelegt. Mein Vater eröffnete nach dem Krieg eines der ersten Modegeschäfte in München. Als Kinder waren meine Brüder und ich oft dort und wurden auch schon früh von meinem Vater in das Geschäft eingeführt. Während meiner Ausbildung habe ich meine Schuhleidenschaft entdeckt und später eine Schuhfabrik in Italien erworben.
Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Unützer: Aus dem Alltag. Ich habe immer meinen Skizzenblock bei mir und sammle dauernd Ideen, die ich bei der Kreation meiner Schuhe umsetzen kann.
Wie viel Paar Schuhe besitzen Sie?
Unützer: Ich besitze ungefähr 8-10 Paar Schuhe pro Wohnort, dass bringt der Beruf mit sich und ist weit mehr als genug.
Worauf achten Sie als erstes bei Ihrem Gegenüber?
Unützer: Sie werden es nicht glauben, aber Frauen schaue ich immer zuerst in die Augen, bei Männern achte ich tatsächlich zuerst auf die Schuhe. lacht
Was treibt Sie an in Ihrem Leben?
Unützer: Leidenschaft! Ich glaube, dass man nur Dinge zum Erfolg bringen kann, die man mit echter Leidenschaft betreibt, das gilt für mich nicht nur geschäftlich, sondern auch privat.
Sie haben fünf Kinder, wenn Sie diesen einen Rat fürs Leben mitgeben sollen, welcher wäre das?
Unützer: Sich immer treu bleiben. Meine Kinder sollen das in ihrem Leben tun, was sie erfüllt. Meine älteste Tochter arbeitet bei der Elle und entwirft nebenbei ihre eigene Modekollektion, meine zweitälteste Tochter ist mit in unser Geschäft eingestiegen, was sie aber auf eigenen Wunsch hin getan hat. Bei meinen drei jüngsten Kindern zeichnen sich zwar schon die ersten Berufswünsche ab, aber ich finde, sie sollen zuerst mal ihre Freiheit genießen.
Das ideale Geschenk für Sie?
Unützer: Ein 48-Stunden Tag! Dann könnte ich endlich mit deutlich mehr Zeit alles unter einen Hut bringen. Da meine Frau mit den jüngeren Kindern in England lebt, wir den Firmensitz in München haben und die Fabrik in Venedig, bedeutet das für mich eine besondere Herausforderung.
Sind Sie ein Workaholic?
Unützer: Ich denke schon. Wenn ich nicht mehr kreativ tätig sein könnte, würde ich, glaube ich, ziemlich verzweifeln.
Können Sie sich noch an Ihren ersten produzierten Schuh erinnern?
Unützer: Ja natürlich, die erste Kollektion war die aufregendste. Das erste Modell, dass in Fosso produziert wurde, waren Pumps in mehreren Farben mit 5 cm hohen Absätzen.
Erkennen Sie jeden Ihrer Schuhe auf der Strasse?
Unützer: Ich denke schon. An jedem unserer Modelle haben wir so lange gearbeitet, dass es sich in mein Gedächtnis eingeprägt hat.
Klassiker - was verstehen Sie darunter?
Unützer: Zeitlose Dinge, die in jeder Generation vertreten sind. In unserer Firma sind das die Ballerinas, die wir immer sowohl in ganz klassischer Form anbieten, als auch mit aktuellen modischen Accessoires.
Die Handtasche einer Frau gilt als unergründlich, wissen Sie was Ihre Frau in ihrer hat?
Unützer: Unergründlich ist das richtige Wort. Mir geht es da wie vielen Männern. Manchmal denke ich mir schon, was da so alles in den oft riesigen Taschen mitgenommen wird. Natürlich kritisiere ich das nicht, denn schließlich stellen wir diese Taschen ja her.

